Samstag, 10. Januar 2026

Subita hieme

 Verfasst am Gedenktag des Heiligen Gregor von Nyssa - 10. Januar 2026.  

Hl. Pankratius von Wil, ein Katakombenheiliger
4 Kilometer von Einsiedeln entfernt


Subita hieme

Einer der schönsten und zugleich überraschendsten Abschnitte war der Wintereinbruch, der das Klostererlebnis fast über Nacht vollkommen veränderte. Eines Morgens im November wachte ich auf, schaute aus meinem kleinen Zimmerfenster und sah, wie weisser Schnee alles bedeckte. Über Nacht hatten sich das Klostergelände und das Dorf komplett in Schnee gehüllt. Die Dächer waren schwer beladen, der Kreuzweg kaum zu erkennen, und selbst der sonst so vertraute Fratergarten war komplett verändert, bis auf den Brunnen, wo noch leise Wasser plätscherte. Ein Bild davon und einen Vergleich mit vorherigen Jahreszeiten hänge ich diesem Post noch an.


Die Ruhe war zu meiner Zeit in Einsiedeln schon immer präsent, aber durch den Schnee wurde sie noch tiefer als sonst. Der Winter war da, und die Adventszeit sollte weiss und kalt werden. Pilger und Gläubige schlurften, tief in Jacken und Mäntel gehüllt, um das Kloster und in die Kirche. Überall waren Schneemänner, 


Am Tag nach dem heftigsten Schneefall fragte mich Novize Karsten, ob ich gerne mit ihm und Novize Karsten vor der Vesper Schlitten fahren wollte. Ich hatte mich schon seit Wochen gefreut, den berüchtigten Schlittenhügel zu beklettern, also sagte ich ohne viel Nachdenken zu. Karsten, Simon und ich stiefelten los, vorbei an den vielen Pilgern und Tagesbesuchern, vorbei an der ehemaligen Ministrantengruppe von Bruder Alexander, die am Tag zuvor ankamen, und durch den Wald auf den Gipfel des Hügels. Von dort konnte man einen Blick auf den Sihlsee und weiter werfen. Ich fühlte mich fast, als ob ich in einem Lord of the Rings Film wäre - umgeben von einer beeindruckenden, schneeweissen Landschaft mit ausgesetzten Bergkämmen im Hintergrund. Der Blick auf das verschneite Kloster und dessen Umgebung von oben war unglaublich, fast märchenhaft. Die Loipe war gut befahren und der Winterwanderweg gefüllt mit Menschen - innerlich hoffte ich, wir würden ohne Beschwerde durchschlitteln können.


Oben angekommen teilten wir die Schlitten aus, die wir hochgetragen oder -gezogen hatten. Novize Simon entschied sich für den ‘getunten’ Schlitten, der einiges schneller war als die anderen. Mir selbst traute ich dessen Anwendung nicht zu. Dann ging es auch schon los. Mit Novizen Karsten und Simon voran schossen wir den Wander- und Schlittelweg hinab, um Kurven, über Hügel und um steile Kurven, hinab ins Tal, vorbei am wegweisenden Denkmal des Hl. Benedikt. In schwerer Rückenlage, und mit den Fersen verzweifelt zu lenken versuchend, peitschte mir der Schnee ins Gesicht und liess meine Hosenbeine gefrieren. An den Menschen, die alle zum Glück aufmerksam wanderten, kamen wir ohne grössere Probleme vorbei, und wurden beim Vorbeifahren von der Ministratengruppe bejubelt - Formel Eins(iedeln)! Unten angekommen waren wir alle voll Schnee und entschieden uns nochmal hochzugehen - wegen der Zeit jedoch nicht ganz nach oben. Von dort ging es wieder so wie davor mit einem raschen Tempo gen Tal. Danach probieren Karsten und ich nochmal den ‘kleineren’ (aber keinesfalls weniger steilen oder ‘langsameren’) Hügel aus, der von Familien und Kindern gut besucht war. Nach einem sehr steilen Gefälle führte die Schlittenbahn in den Tiefschnee, der offensichtlich als Bremsmaterial diente. Dort zweimal gefahren war es aber auch schon Zeit, uns für die Vesper vorzubereiten - die durchnässten, schneebedeckten Kleider wechseln, angemessene Schuhe anziehen, und mental herunterzukommen, um für das Gebet bereit zu sein.


In meiner Zeit in Einsiedeln ging ich täglich laufen, um mich für meine Zeit im Militär vorzubereiten, aber auch um mich generell fit zu halten und etwas Zeit für mich zu haben, um Hörbücher oder Podcasts zu hören. Dies führte mich oft am Ufer des Sihlsees entlang oder entlang des Klosters und des Friedhofs vorbei Richtung Birchli, aber nach dem Schneefall wäre dies ein hochriskantes Unterfangen geworden. Deswegen war ich froh, dass ich im 24/7-Sportstudio Optimum Gym ein Laufband zur Verfügung hatte. Dort verbrachte ich ab dem Schneefall meine Abende, oft ganz alleine, und konnte in Ruhe Serien schauen oder Harry-Potter-Bücher hören, ohne dass ich das Risiko unterlief, auszurutschen. Auf dem Weg hin und zurück vom Sportstudio ins Kloster ging ich dann durch ein Winterwunderland - verschneite Strassen, komplett menschenleer, absolute Stille, funkelnde Weihnachtsbeleuchtung und dekorierte Schaufenster. Der Winter war da, und die Adventszeit sollte weiss und kalt werden.



Weihnachtsmarkt in der Nacht


Winterwunderland im Waldabschnitt
während dem Wandern beim Schlitteln


Nach dem Schlitteln (mit dem 'kleinen'
Schlittenhügel und Benediktsdenkmal
im Hintergrund)

Gefrorene Hosen und Schuhe nach dem Schlitteln


Die Einsiedler Pferdeherde im Schnee


Ein besonders schönes Beispiel der 
Weihnachtsbeleuchtung im Dorf Einsiedeln





Ausflug nach St. Gallen

 Veröffentlicht am Gedenktag des Heiligen Gregor von Nyssa

♱ Sancte Gregori, ora pro nobis♱

Papst Benedikt XVI als damaliger Priester bei 
einer Messe in Ruhpolding

Ausflug nach St. Gallen

Ein weiteres Highlight meiner Zeit in Einsiedeln war mein Ausflug nach St. Gallen; ein besonderes Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Mit Pater Mauritius sowie den Novizen Simon und Karsten machte ich mich früh am Morgen auf den Weg, Treffpunkt: Bahnhof Einsiedeln. Ich freute mich auf einen Tag, der sowohl spirituell fördernd als auch historisch spannend sein sollte. Schon die Gemeinschaft auf dieser Reise machte den Ausflug zu etwas Besonderem, denn es blieb viel Raum für ausgiebige Gespräche und Geschichten - in einem so ruhigen Ort wie Einsiedeln nicht immer garantiert.

Vom Bahnhof aus reisten wir mit dem öffentlichen Verkehr nach St. Gallen. Während der Zugfahrt genossen wir die vorbeiziehende Landschaft und nutzten die Zeit, um uns auf den Tag einzustimmen. Pater Mauritius erzählte bereits unterwegs erste Geschichten über St. Gallen und seine Bedeutung. Wir unterhielten uns auch etwas über politische Geschehnisse und ich stellte einige Fragen bezüglich Kirchengeschichte und Liturgik. In St. Gallen angekommen begaben wir uns direkt zum ehemaligen Kloster, das mit seiner Architektur (mit Ausnahme des scheusslichen Eingangs zum Pfalzkeller) und gepflegten Rasenflächen beeindruckte.

Im Kloster feierten wir gemeinsam zu viert die Messe in der Kapelle. Diese Messe war für mich ein besonders schöner Moment des Tages und auch die ‘privatste’ Messe, der ich je beigewohnt hatte. Die ruhige Atmosphäre und das Wissen, an einem Ort mit so viel Geschichte zu sein (eine Tafel verzeichnete einen geschichtlichen Verlauf der Brüder, welche dort wohnten), verliehen der Feier eine tiefe Bedeutung. Es war ein Moment der Sammlung und des Innehaltens, bevor der Tag weiterging.

Nach der Messe wurden wir durch das Regierungsgebäude des Kantons St. Gallen geführt. Diese Führung war sehr spannend, da wir einen Einblick in die politischen und historischen Strukturen des Kantons erhielten. Das modern ausgelegte Zimmer des Kantonsrats, in welchem die Räte in einem Kreis Platz nehmen, war sehr interessant, da ich Politikwissenschaft studierte und mich besonders für regionale Politik und Politikgestaltung interessiere. Das Tafelzimmer war auch sehr imposant, und es wurde uns erklärt, dass dieses Zimmer die grösste Stuckdecke der Schweiz aufweist. Im Sitzungssaal, der auch unglaublich spannend war, wurde uns der ‘Blocherknopf’ erklärt; eine Sicherungsvorrichtung bei den Abstimmungsknöpfen aller Stimmbeteiligten, die eine zweifache Sicherung erfordert. Besonders interessant war es zu sehen, wie Geschichte und moderne Verwaltung an diesem Ort miteinander verbunden sind.

Nach diesen ersten wunderschönen Eindrücken wurden wir zu einem schönen Essen in den Gaststuben zum Schlössli eingeladen. Ich genoss dort ein entzückendes Cordon Bleu. In angenehmer Atmosphäre konnten wir uns stärken und die bisherigen Erlebnisse verdauen (no pun intended). Das Essen war nicht nur lecker, sondern auch eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Es wurde viel gelacht und Geschichten erzählt, wie zum Beispiel von Pater Mauritius’ Zeit als Schweizer Gardist.

Nach dem Essen verabschiedeten wir uns und gingen hinauf zum Frauenkloster Notkersegg. Der Weg nach oben war zwar sehr windig aber die Ruhe und die besondere Stimmung dort oben machten es trotzdem eine tolle Zeit. Der Blick auf den Bodensee war auf dem Hinweg durch das Wetter verdeckt, aber der Rückweg liess uns bis Romanshorn blicken. Das Frauenkloster strahlte eine stille Kraft aus, die uns alle beeindruckte. Zuerst waren wir in der Kapelle, und wurden von einer Schwester freundlich empfangen und hineingeführt. Nachdem uns über die interessanten franziskanischen Ursprünge des Frauenklosters erzählt wurde, durften wir in das Refektorium, und Simon spielte im Chor (welcher durch geheime Türe hinter dem Altar der Kapelle erreichbar war) ein kurzes Stück auf der Holzorgel. Nachdem uns auch noch das spezielle Modell dieses Klosters, nämlich als de facto Pflegeheim, erklärt wurde, machten wir uns wieder auf den Weg hinunter ins Tal, zurück zum Kloster, um eines der Highlights des Tages zu besichtigen: die berühmte Stiftsbibliothek. 

Auf dem Weg zurück erzählte Pater Mauritius viel Interessantes aus seiner Zeit in St. Gallen, als er dort als Lehrer tätig war. Ich nutzte die Gelegenheit auch, um Pater Mauritius über die Schweizergarde zu befragen, was zu einem spannenden Gespräch führte. Wir besichtigten auch den Klosterplan St. Gallens, welcher nur für 20 Sekunden nach einem Kurzfilm gezeigt wird, um ihn vor den Elementen zu schützen. Es ist der älteste vorhandene Klosterplan, den es noch gibt. Leider konnten wir wegen der limitierten Zeit nicht den Rest der Ausstellung besichtigen. Als Brauch galt auch, die Novizen eine alte Kopie der Benediktsregel sehen zu lassen, welche im Klosterarchiv liegt. Ein Archivar zeigte sie uns, blätterte etwas herum, und erklärte uns interessantes Hintergrundwissen dazu.

Die Stiftsbibliothek war schlichtweg beeindruckend. Schon beim Betreten spürte man dessen besondere geschichtliche Bedeutung wie eine wabernde Aura. Bevor wir hineingehen durften, zogen wir die Schuhüberzüge an, womit man richtig schön herumrutschen konnte. Sie zeugten aber auch deutlich, wie wertvoll und schützenswert dieser Ort ist. Die kunstvollen Decken, ein riesiger Globus und die alten Bücher machten den Besuch zu einem echten Highlight. Man hatte das Gefühl, durch die Geschichte zu gehen und Teil von etwas Großem zu sein.

Am Ende des Tages kehrten wir erfüllt und dankbar zurück. Der Ausflug nach St. Gallen war nicht nur eine Reise zu einem wichtigen Ort des Schweizer Katholizismus, sondern auch eine Reise der Gemeinschaft, des Glaubens und des Lernens. Ich bin sehr froh, dass ich von Pater Mauritius eingeladen wurde, und die tolle Zeit mit ihm, Karsten und Simon verbringen zu dürfen.


Die gepflegten Grünflächen auf dem Grund
des ehemaligen Klosters St. Gallen


Der Altar in der Kapelle, wo wir Messe feierten

Der Klosterplan (aufgenommen in der kurzen
Phase der Exposition)

St. Galler Kantons- und Regierungsrat

Die Benediktsregel, aus dem 9. Jahrhundert erhalten

Riesiger Globus in der Stiftsbibliothek im
Kloster St. Gallen

Stiftsbibliothek des Klosters mit dessen 
eindrücklichen Deckenmalereien

Die Rutsch-Schlappen, die man als
Bodenschutz über Schuhe anzieht










Lässe - Auszeit und Wallfahrt

Veröffentlicht am Tag der Gedenkfeier an die Opfer des Neujahrs-Feuers in Crans Montana

♱ Requiescat in pace♱

Mönch in der Felsenkirche Abuna Yemata Guh in Äthiopien


Lässe - Auszeit und Wallfahrt

    Seit der Antike, und zu mittelalterlichen Zeiten in Klöstern, wendete man den ‘Aderlass’ an, eine Heilmethode, mit denen man sich erhoffte, Körpersäfte ins Equilibrium zu bringen und dadurch potenzielle Gifte aus dem Körper zu entfernen. Durch das Blutabnehmen wurde man oft relativ schwach und träge, weshalb man als Mönch danach eine Auszeit benötigte, um sich zu erholen. Durch diesen Brauch entwickelte sich die Lässezeit, welche sich in Einsiedeln bis heute noch (obwohl der Aderlass natürlich schon lange nicht mehr praktiziert wird) wiederfindet. 

Die Lässeferien waren in zwei Wochen aufgeteilt, damit stets ungefähr die Hälfte des Konvents im Kloster verblieb, um Messe zu feiern, die Stundengebete zu beten und den Tagesablauf zu erhalten. In der zweiten Woche war ich ‘dabei’, und durfte etwas weniger arbeiten. Es war ein komisches Gefühl, wie leer das Konventamt plötzlich war. Die Woche war noch nicht vorbei als ich auf der Anzeigetafel neben dem Refektorium sah, dass es eine Wallfahrt auf die Ranft geben würde - etwas später wurde ich auch von Pater Thomas eingeladen, mitzukommen. Zuerst war mir nicht klar, was die Ranft war, bis mir erklärt wurde, dass es sich bei der ‘Flüeliranft’ um den hauptsächlichen Lebensort von Hl. Niklaus von der Flüe handelte. Das Programm des Tages hörte sich sehr spannend an, und versprach eine abwechslungsreiche Zeit - da es meine erste Wallfahrt sein würde, freute es mich besonders.

    Der Tag der Wallfahrt begann früh. Noch müde, aber gespannt, trafen wir uns am Morgen und fuhren mit dem Bus in Richtung Ranft. Manche waren in Zivil gekleidet, hatten Wandersachen an, oder trugen Kleidung gegen Kälte. Schon während der Fahrt war spürbar, was für ein segensreicher Tag es sein würde, und wie beeindruckend seine spirituellen Erlebnisse werden würden. Gemeinsam beteten wir im Bus die Laudes, das Morgengebet der Kirche, und anschliessend den Rosenkranz. Ich fiel jedoch irgendwo dazwischen in einen Schlaf, und wachte erst wieder auf, als wir uns zum Aussteigen bereit machten. Es war ungewohnt, aber gleichzeitig sehr interessant, die Laudes nicht im Oberen Chor zu beten.

    In der Kirche bei der Ranft angekommen, empfingen wir einen eucharistischen Segen sowie einen Reliquiensegen. Dieser Moment war sehr ruhig und feierlich. Man merkte, dass viele mit einer inneren Haltung der Offenheit gekommen waren – bereit, diesen Ort auf sich wirken zu lassen. Es machte mir auch klar, wie wichtig Hl. Niklaus von der Flüe für die Katholiken der Schweiz war. Nach dieser kurzen Zeremonie ging es dann los mit dem Laufen - jeder mit dem eigenen Tempo, bis oben zum Rastplatz über der Flüe. Nach etwa 20 bis 30 Minuten zügigen Gehens (ich versuchte etwas schneller zu gehen, um Fitness aufzubauen) war ich dann da. Einige Brüder waren wegen Mobilitätsbeschwerden mit dem Bus vorausgefahren und sassen schon mit warmen Getränken auf einer Bank. Ich sagte kurz Hallo und ging dann in die Flüelischlucht hinunter, wo eine idyllische Szene sich präsentierte. Ich stand in der Ranft, dem Ort, an dem der Hl. Nikolaus von der Flüe lange Zeit als Einsiedler lebte. 


    In der Ranftkapelle feierten wir gemeinsam die Heilige Messe mit Abt Urban. Besonders eindrücklich war, dass sich auch einige zufällige Pilger anschlossen. So wurde die Messe zu einem Moment der Begegnung zwischen Menschen, die sich vorher nicht kannten, aber im Glauben verbunden waren. Der Ort selbst, ruhig und von Geschichte geprägt, verstärkte die Bedeutsamkeit dieses Gottesdienstes für mich, und es ist einer der vielen, an die ich mich aus meiner Zeit als Klosterzeitler am Besten erinnern kann.


    Nach der Messe machten wir uns erneut auf den Weg, diesmal wieder bergauf aus der Ranft hinaus in Richtung Kloster Bethanien. Zusammen mit Pater Phillip und einigen anderen machten wir, oben angekommen, noch einen kurzen Abstecher zur römischen Kapelle St. Niklausen, bevor wir schliesslich im Kloster Bethanien ankamen. Bilder zu der beeindruckenden Kulisse in der Kirche, mit unzähligen Heiligen an der Decke, sind angehängt.


    Im Kloster Bethanien wurden wir herzlich empfangen und durften gemeinsam zu Mittag essen. Es gab Suppe und weitere leckere Speisen, die nach dem langen Weg besonders gut schmeckten. Nach einem kurzen persönlichen Gebet in der Kirche gingen wir zusammen mit den Mönchen ins Lumeum, das direkt neben dem Kloster liegt. Das Lumeum ist ein 360-Grad-Erlebnis, das auf künstlerische Weise das Leben des heiligen Nikolaus von der Flüe darstellt. Mit Licht, Bildern, Musik und Texten wird seine Geschichte lebendig erzählt, und die schwierige Zeit, die diese prägte. Mich traf auch das Schicksal seiner Frau, die sich dazu öffnete, ihren Mann bei seiner Berufung zu unterstützen und dadurch, unter anderem wegen zehn Kindern, ein gigantisches Opfer ihrerseits darzubringen.


    Nach diesem eindrücklichen Abschluss fuhren wir mit dem Bus wieder zurück nach Einsiedeln. Die Wallfahrt war nicht nur ein Ausflug, sondern eine spirituell prägende Zeit, geprägt durch spezielle Gedanken, Gebete und Begegnungen. Diese Erfahrung wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben und war ein wertvoller Teil meiner Lässeferien im Kloster Einsiedeln.



Altar der Kapelle St. Niklausen



Decke der Kapelle St. Niklausen
mit unzähligen Heiligenbildern

Montag, 20. Oktober 2025

Hebdomades IV et V - De vino et angelis

 (Schwer verspätet) verfasst am 19. Oktober 2025, Tag der Heiligsprechungen von 7 neuen Heiligen. 

♱ Omnes sancti discipuli Domini, orate pro nobis. ♱


Papst Pius XII, der ‘Defensor Civitatis’ bei der Befreiung Roms, 1944 (Sancte Pio XII, ora pro nobis)

Da dieser Beitrag (wie alle seit dem 7. September) immens verspätet ist, werden gewisse Erinnerungen womöglich nicht so genau bleiben. Jedoch werde ich mein Bestes geben, um diese zwei ereignisvollen Wochen so genau wie möglich zu beschreiben.


Hebdomada IV

Ich begann diese Woche mit meiner Arbeit in der Kellerei - die Ernte (Weinlese) ist nun im vollen Gange, was bedeutet, dass ich reichlich mithelfen kann: beim Einmaischen frischer und getrockneter Trauben, dem Putzen diverser Kübel, Tanks, Pressen und Boden, dem Hin- und Herpumpen von Wein in verschiedenen Produktionsstufen und dem Etikettieren abgefüllter Flaschen. Bei weitem macht mir das Einmaischen selbst Spass - die etwas körperlichere Arbeit verdrängt jegliche Langweile bei der Arbeit im Keller. Die angenehme Radiomusik, die einen dabei beschallt, ist das Tüpfel auf dem I. Verschiedene Bilder werden angehängt, um dem Leser einen Eindruck des Kellers zu geben. Manchmal kann man auch den Wein (oder gärenden Saft) etwas abschmecken, wobei man rasch entdecken wird, wie viel Chemiekunst die Weinherstellung involviert, um schmackhafte Ergebnisse zu erreichen.


Im Archiv arbeite ich mit Beat Frei, um die C.-Sektion neu zu organisieren, die im Laufe der Zeit relativ durcheinander geraten war. Dies beinhaltet auch diverse Aufgaben - das Umbauen der Rollschränke zu passenden Boxformaten, das Ausräumen existierender Boxen, die strukturierte Erfassung und Sortierung existierender Artefakte und Dokumente in passenden, weniger prall gefüllten Boxen und zuletzt das Wiedereinräumen der neuen Boxen in ihre respektive Position im Rollschranksystem. Das klingt vielleicht kompliziert, ist in der Praxis jedoch relativ unproblematisch. Das Entdecken von Dokumenten, Siegeln und anderen Artefakten, die Hunderte Jahre alt sind, macht die Arbeit ein immenses Privileg und einen genauso grossen Spass. In der Buchbinderei, wo Beat hauptsächlich schafft, sind auch unzählige faszinierende Objekte, Buchdrucker und Maschinen zu finden, über die ich viele Fragen stellte.


Am Anfang der Woche wurden die Brüder und wir Klosterzeitler noch mit einer tollen Erfahrung beschenkt - wir durften die neu restaurierte, originelle Schwarze Madonna von Einsiedeln besichtigen. Sie war im November 2024 von einem verwirrten Mann angegriffen und geschändet worden, wodurch Schäden an ihrer Hand, ihren Gewändern, ihrem Zepter und Teil ihrer Hautfärbung entstanden, wobei die Hand infolge des Angriffs sogar abbrach. Eine neue Schnitzerei der Hand wurde angefertigt, welche robuster sei als die originelle, welche laut Pater Phillip relativ zerbrechlich gewesen war. Das Zepter, durch den Angriff auch beschädigt, wurde einer Restaurierung unterzogen und war nun wiederhergestellt. Pater Phillip hielt eine kleine Präsentation über die Geschichte des Marienbilds und erklärte danach den Restaurierungsprozess. Die Erfahrung war ein immenses Privileg, da ich die Marienstatue von Nahem betrachten durfte, wodurch die genauen Details und Feinarbeit erkennbar wurden. 


Hebdomada V 

Diese 5. Woche meines Klosterzeit-Aufenthalts in Einsiedeln war intensiv durch die Engelweihe und den Besuch eines Filmteams geprägt, welches beschäftigt war, dem Kloster einen Werbefilm zu drehen. 


Das Filmteam kam am 12. September an, wobei ich, Arthur und einige Brüder sie abends empfingen und dann am Smastag der Engelweihe anfingen, im Kloster herumzuführen. Ich begleitete sie von der Stiftsbibliothek zum Büchermagazin, von dort zum Antiken Archiv, und wurde danach bei einem ‘Interview’ mit Pater Aaron gefilmt. Es war eine sehr angespannte Zeit, da es galt, einiges an Filmausrüstung in knappen Zeitintervallen hin- und herzuverfrachten, das Team richtig zu begleiten und gleichzeitig noch rechtzeitig an all die Gebetszeiten bzw. Gottesdienste zu kommen. Später am Wochenende filmte das Team noch Stiftsschüler beim ‘Sportunterricht’ und Fussball, wofür ich sie auch begleitete. Zum Zeitpunkt des Schreibens ist der Film zwar noch nicht veröffentlicht, aber ich bin sehr auf das Endresultat gespannt. Das Besichtigen verschiedener neuer Standorte im Kloster war sehr interessant, und das ewige Umherlaufen in der Klausur und verschiedenen Klosterkorridoren half mir, einen besseren Orientierungssinn im Kloster zu entwickeln. Bilder zu einigen Standorten sind am Ende dieses Beitrags eingefügt, die das Filmteam bei der Arbeit zeigen.


In dieser Woche fand auch die Engelweihe statt: das Weihefest der Einsiedelner Gnadenkapelle. Es ist eines der wichtigsten, feierlichsten und meist besuchtesten Feste des Klosters, mit viel schöner Liturgie, besonderem Schmuck und Prozessionen. Da dieses Jahr die Engelweihe auf Sonntag fiel, war es eine ‘Grosse Engelweihe’, ein relativ seltenes Ereignis. Am Samstag feierten wir noch vor, mit so vielen Gästen im Refektorium wie noch nie während meiner Klosterzeit - auch die Laudes, Vesper, Messe und Komplet waren extrem voll - man konnte im Unteren Chor kaum noch einen Platz bekommen! Diese Feiern waren, wie schon gesagt, wunderschön und festlich, mit genauso schönen Paramenten dazu. Dieses Engelweih-Wochenende ist wie ich meine Faszination mit Paramenten entdeckte, und anfing mich näher damit zu befassen und einzulesen. Eines der Paramente ist unten eingefügt, nämlich eine Römische Kasel aus 1685, unglaublich üppig verziert mit Goldstickerei, wozu der Zelebrant auch ein passendes, goldverziertes Chorhemd trug. An der Engelweihe trug Abt Urban auch ein Gewandset, welches durch Blumen verziert war und unzählige verschiedene Sticktechniken in ein absolutes Meisterwerk kombinierte. Ein Bild dieser Pluviale und der dazugehörigen Mitra sind auch eingefügt.


Bei dem Engelweihfest selbst, inklusive grosser Prozession durch das Dorf Einsiedeln, hielt der Abt auch einen üppigen Abtsstab. Vor einigen Jahren aufwendig restauriert, glänzt der Stab silbern und gold mit mehreren kostbaren eingesetzten Edelsteinen. Im Zentrum des Stabkopfes prangt ein schönes Bild der Maria mit Jesuskind. Trotz der Schönheit dieses Stabes jedoch wurde er durch die Monstranz, welche während der Prozession samt Allerheiligsten durch das Dorf getragen wurde, an Schönheit übertrumpft. Unfassbar aufwendig gestaltet, mit silbernen Figuren, goldenen Akzenten, hängenden und eingesetzten Edelsteinen und im Zentrum eine grosse Einsetzkammer für das Allerheiligste, war es bei weitem die umwerfendste Monstranz, die ich je zu sehen bekommen hatte.


Die Prozession selber war sehr schön, obwohl ich, weil ich den Livestream aus dem Unteren Chor bedienen musste, etwas joggen musste, um aufzuholen und auf Position mitzulaufen. Klosterzeitler Arthur und ich hatten nämlich den Auftrag bekommen, Lautsprecher mitzutragen, durch die das Gebet von Novize Simon in die Strassen Einsiedelns getragen werden würde. Endlich bei Arthur und Simon angekommen, liefen wir gemeinsam, Simon betend, Richtung Dorfplatz. Auf dem Platz sammelten sich dann mehrere Hunderte Menschen, und wir beteten und sangen gemeinsam vor dem Allerheiligsten und einer durch Kerzenlicht schön beleuchteten Gemeindehausfassade. Nach dieser ekumenisch gestalteten Feier liefen wir zum Kloster zurück, wo wir kurz auf dem Klosterplatz innehielten und erneut eine Zeremonie mit Monstranz stattfand. Das Wetter war für die Prozession wirklich sehr perfekt ausgefallen, da wir auf dem Weg zurück in die Kirche selbst auf den allerletzten Metern spürten, wie es anfing zu regnen. 


Diese zwei Wochen, vor allem die Wochenenden, waren extrem ereignisreich und werden von mir so schnell nicht vergessen. Sie waren jedoch auch relativ anstrengend und teils stressig, weshalb Arthur und mir sehr grosszügig freigegeben wurde, um etwas für uns zu sein und uns auszuruhen.


Die Engelweih-Kasel

Nahaufname der Goldstickereien auf der Kasel

Mein Lieblingsgemälde in der Klausur


Bild des Kellers nach einer Putzaktion

Trommel-Weinpresse im Keller neben frischen Trauben

Mehrere Hundert Kilo frische Trauben zum Einmaischen

Beim Filmen in der Stiftsbibliothek


Neue Hand der Schwarzen Madonna

Der wunderschöne Abtsstab

Bild der riesigen Monstranz

Eingraviertes Bild Jesu in der Monstranz

Bild der Blumenpluviale von Abt Urban

Die dazugehörige Blumenmitra 




















Sonntag, 7. September 2025

Hebdomada III: Audi, ora et labora

Verfasst am 7. September 2025, Tag der Heiligsprechungen des Hl. Carlo Acutis und Hl. Pier Giorgio Frassati.

♱ Sancti Carlo et Pier, orate pro nobis. 

Prozession vor dem Kloster Einsiedeln, 1912.
Quelle: Schwyzer Staatsarchiv

Hebdomada III:

Nun ist die dritte Klosterzeit-Woche schon vergangen. Der Tagesablauf hat sich mittlerweile schon zur Gewohnheit geformt, und das (relative) frühe Aufstehen macht keine Mühe mehr. Ich beginne diese Woche, mehrere Arbeitsplätze auszuprobieren, um zu sehen was mir am meisten Spass macht. Ich plane auch, sobald das Wetter es erlaubt, endlich das Kies im Fratergarten fertig zu verteilen. Meine Gedanken sind heute (7. September) auch bei Klosterzeitlern Kuba und Ruben, die das Privileg haben, in Rom der Heiligsprechung zweier Seligen beizuwohnen. Ich hoffe, dass es ihnen im Kloster Monte Cassino genauso gut ergeht wie mir hier in Einsiedeln.

Die Weinlese hat begonnen; das bedeutet Arbeit, aber nur bei gewissen Wetterbedingungen, da der natürliche Zuckergehalt der Trauben durch die Nässe bei Regentagen verdünnt werden würde, was sich auf den Geschmack des Weines auswirken würde. In der Kellerei des Klosters Einsiedeln war ich zunächst am etikettieren, da eine automatische Etikettiermaschine ausgefallen war. Auch durfte ich einer Weinlieferung an ein lokales Geschäft beiwohnen, welche durch die Chilbi etwas umgeleitet wurde. Einige Tage später kamen dann die ersten Trauben in die Kellerei, weshalb ich zuvor einige Tanks, Ventile und Rohre reinigte. Mithilfe eines Deckenkranes werden dann die traubengefüllten Tonnen in eine Serie von Abbeermaschinen gefüllt, welche dann die Steile der Weintrauben in eine weitere Tonne spuckt, während die resultierende Maische in eine weitere Trommelmaschine kommt, in der mithilfe eines pneumatisch gefüllten Balges die Trauben gepresst werden. Es ist zwar körperliche Arbeit, macht jedoch Spass - per Gehörschutz wird auch ausreichend Schutz vor dem Maschinenlärm gewährt. Die Weinlese sollte bei optimalen Wetterbedingungen noch einige Wochen dauern, was heisst, dass ich in kommender Zeit wahrscheinlich weiterhin in der Kellerei arbeiten werde.

Ich habe auch begonnen, im Klosterladen tätig zu sein. Umgeben mit Kreuzen, Ketten, Kerzen und Keksen wird hier das Etikettieren zu einer beruhigenden Tätigkeit, während der ich Zeit zum Nachdenken oder Tagträumen habe. Ich höre mir manchmal aber auch (so wie letzte Woche im Fratergarten) bei der Arbeit Podcasts an oder habe ein Video von YouTube am Handy laufen. Diese Woche hörte ich Way of the Fathers - ein englischsprachiger Podcast, der die Lebensgeschichten der Kirchenväter erzählt, deren Erfolge, andauernden Wirkungen auf die Kirche, gegebenfalls Kontroversen und eventuell deren Märtyrertode. Zu hören, wie sehr meine Brüder und Schwestern im Glauben zu ihren Zeiten immer wieder unter brutalster Christenverfolgung litten, während ich entspannt in einem unversteckten Kloster in der sicheren Schweiz öffentlich verkaufte katholische Waren etikettieren darf, erinnert mich an meine unglaublich priviligierte Position. Welches Kreuz trage ich, das sich mit dem vergleichen lässt, das meine Vorfahren im Glauben für denselben Glauben trugen? Ich darf bei meiner Arbeit im Klosterladen also sowohl meinen Beitrag durch die Klosterzeit an das Kloster leisten, als auch viele schöne katholische Produkte betrachten und gleichzeitig meiner Seele aneignen, dankbarer für den Glauben zu sein. Bei schlechtem Wetter (und nach der Weinlese) kann ich mir gut vorstellen, hier weiter zu arbeiten. 

Kurzfristig durfte ich auch einen Einblick in das Klosterarchiv werfen, wo ich zukünftig, je nach Bedarf, aushelfen werde. Die angeschlossene Buchbinderei soll eine der ältesten der Schweiz sein, da dort fast seit Gründungsjahr des Klosters (zwar unterbrochen) Bücher gebunden wurden. Es ist ein Traum für jeden, der geschichtlich interessiert ist oder sich gerne mit alten Dokumenten oder Handwerkskünsten befasst. Auf jedem Tisch liegt ein weiteres Dokument oder ein weiterer Ordner, der den zuvor angesehenen an Faszinationskraft übertrifft. Im Keller liegt das eigentliche Archiv, welches (mehr oder weniger organisiert) in Dutzenden verfahrbaren Regalen unzählige solcher Dokumente und Pläne lagert. Dort liegt meine Aufgabe - etwas aufräumen und organisieren, damit zukünftig die Archivarbeit etwas leichter und sauberer verläuft. Ich freue mich schon, hier mitzuarbeiten, da ich Organisation sehr zu schätzen weiss und mein geschichtliches Interesse mich gefühlt schon hinzerrt.

Im Fratergarten habe ich endlich das Kies verteilen können, und jegliches Unkraut zupfen können, das im Weg eines einheitlichen Gartenpfades stand. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es mir eingebildet habe, aber meine, dass in den Sektionen, wo ich letzte Woche bereits gejätet hatte, schon wieder vereinzelt Unkraut emporspross. Es ist mehr oder weniger sowieso eine Sisyphusarbeit, da keine Unkrautfolie oder Rasenkanten am Pfad verlegt sind. Ich bin jedoch ein elender Perfektionist, was bedeutet dass ich, trotz Blasen, dem sichtbaren Unkraut ein Ende bereiten will. Wahrscheinlich wird noch etwas Kies benötigt, um überall die ausgenutzen Stellen zu reparieren. Während meiner Arbeit hörte ich die YouTube-Serie der Splendor veritatis Akademie über die Vita des Hl. Thomas von Aquin (Sancte Thomas, ora pro nobis). Der Zuhörer wird durch gekonnte Erzählung in eine längst vergangene Welt transportiert, in welcher man sich in Paris um das Recht der Predigt und Beichthörung stritt, Machtspiele stattfanden und sogar Entführungen geschahen. Absolut spannend und wieder eine tolle spirituelle Erfahrung, die eine etwas monotone Jätarbeit trotz dem starken Regen erleichterte und unterhaltsam machte. 

Der Fratergarten
(rechts begradigter Wegrand, links noch unbearbeitet)

Ein Traum, den ich seit meinem Weg zurück in den Glauben Mitte 2023 gehalten hatte, ist mir diese Woche auch in Erfüllung gegangen. Ich habe die ersten Male ministrieren dürfen; zunächst bei zwei Heiligen Messen, aber danach auch am Herz-Jesu-Freitag bei einer feierlichen Komplet (Bild angehängt). Das Gefühl, so nahe bei einem liturgischen Ritual zu sein und wirklich ein Teil davon zu sein, ist unbeschreiblich. Ich war zwar nervös, konnte aber dank toller Einweisungen von Bruder Benno Maria relativ gut mitmachen. Für mich ist das Gefühl, durch Beten und Singen an der Messe teilzunehmen, obwohl es offensichtlich immer noch eine sehr wichtige und heilige Rolle ist, nicht vergleichbar mit dem, das ich empfinde, wenn ich das Privileg habe, am Altar zu dienen. Wie es nur sein muss, der Hauptzelebrant zu sein? Es muss sich wohl anfühlen, als ob sich der Himmel öffnet und alle Heiligen unter Fanfare zusehen. Die wunderschönen Messdiener-Kleider machen die Erfahrung nur noch besser, obwohl ich noch lernen muss, nach dem Niederknien nicht auf meinen Rock zu stehen.

Nach der Herz-Jesu-Komplet am Freitag

Klosterzeitler Arthur ist am Freitag aus Jerusalem angereist und wird nun die nächsten Wochen hier verbringen. Ich konnte ihm nach meiner Zeit im Fratergarten eine ganz kurze Tour geben, um ihm mit unserem Gästeflügel etwas vertraut zu machen. Zum Abendessen gab es am Freitag auch, da das Semester für die Schüler der Stiftsschule wieder anfing, eine Süssspeise; nämlich Apfelküchle mit Zimt und Milch, Tee oder Kaffee. Sehr lecker!

Ich werde wahrscheinlich versuchen, etwas Theologie und Lektüre in meinen jeweiligen wöchentlichen Blogs unterzubringen, aber weiss nicht wie viel Zeit (und Disziplin) ich für das Lesen auffinden werde. Geplant ist es, einen kurzen Teil am Ende zu sagen, vielleicht etwas neu erlerntes beizufügen und gegebenfalls zu kommentieren. Vielleicht werde ich auch in zukünftigen Blogs schöne Lieder, Psalmen-Rezitationen oder visuelle Kunstwerke teilen, und zwischenzeitliche Blogposts erstellen, in denen ich Glaubensthemen und Theologiegedanken anspreche. Das Format könnte sich generell auch noch etwas ändern, desto mehr ich mich mit Blogger/Blogspot bekannt mache. 

Donnerstag, 4. September 2025

Hebdomades I et II: Introitus

 Verfasst am Gedenktag des Heiligen Gregor des Großen - 3. September 2025. 


Sancte Gregori, ora pro nobis.


Ein Nazareno der Semana Santa in Andalusien (früher Al-Andalus);
Quelle: Jaime Rodriquez (@jaimerfz)


Die ersten Wochen (Mehrzahl, da dieser Blogpost sich etwas verspätet hat) meines Klosteraufenthalts sind nun vergangen, in welcher Zeit ich immens viele Erfahrungen sammelte und Neues erlernte. 


Die Struktur der zukünftigen Blogposts könnte sich womöglich verändern, bis ich meine bevorzugte entwickelt habe. Zunächst werde ich versuchen, die ersten paar Wochen separat zu adressieren. Es könnte daher sein, dass meine Erzählungen vorerst wirr erscheinen oder zeitlich ungeordenet sind, was sich in der Zukunft auch legen sollte. Obwohl dieser Blog theoretisch mitten in Woche 3 publiziert wird, werde ich am Samstag versuchen, für Woche 3 pünktlich einen eigenen Post zu verfassen - mal sehen.


Woche 1:

An der Anreise am 17. August war ich zwar nervös, aber gleichzeitig auch aufgeregt. Die Nervosität legte sich rasant, nachdem ich mich in dem dank der Schnuppertage mir familiären Klostertagesablauf schon bis zum ersten Abendessen einfand. Die speziellen Tischregeln waren jedoch noch nicht so präsent, da es ein tolles Festessen gab - es wurde grilliert und gab Glacé in Gemeinschaft unter einem grossen Zelt in einem der Klosterinnenhöfe. In den ersten Tagen waren Mit-Klosterzeitler Kuba und Ruben auch dabei, da sie ähnlich wie ich eine erste Testwoche in Einsiedeln verbrachten, bevor sie eine 19-stündige Busreise zum Partnerkloster Monte Cassino unternahmen, wo ihnen jetzt ein halbes Jahr Klosterzeit bevorsteht.


Zuerst war ich noch im Haupttrakt der Gästezimmer untergebracht, da mein Klosterzeit-Vorgänger Till noch vorübergehend in meinem zukünftigen Zimmer untergebracht war. Als ich es dann später bezog, war ich sehr froh, ein angeschlossenes Badezimmer zu haben - ein gefühlter Luxus. 


Tage waren vorerst noch nicht mit labora gezeichnet, da Pater Thomas versprach, mir noch nicht so viel aufladen zu wollen - also verbrachte ich zwischen ora und gemeinschaftlichen Essenszeiten sehr viel Zeit im Zimmer beim Lesen, Podcast hören, oder beim Sport im Dorf Einsiedeln und Umgebung. Abends lud uns Bruder Clemens ein, sein AUSCULTA-Brettspiel zu spielen, welches Kuba und Ruben dominierten - es war aber sehr lustig, und wir spielten es gleich zwei Abende in Folge. Klaffende Lücken in meinem Theologiewissen und kirchengeschichtlicher Kenntnis zeigten sich - was mich motivierte, in meiner Zeit hier im Kloster konsequent einen Teil meiner Zeit der Studie dieser beiden Felder zu widmen. 


Das Essen war durchgehend wieder so gut, wie es in der Schnupperwoche war. Obwohl ich sie daheim nur sehr selten esse, freue ich mich hier im Kloster immer auf die tolle Suppe, die dem Hauptgang vorausgeht. Vor allem mit dem bereitgestellten Brot ist sie immer absolut zu geniessen.


Wir hatten vormittags jeweils Unterricht - Gregorianik (mit Pater Daniel), Lectio Divina (mit Pater Cyrill), Aufbau der Eucharistiefeier (mit Pater Thomas). Sehr spannend und durchaus lehrreich - vor allem die Gregorianik und Lectio Divina habe ich schon weiter versucht, anzuwenden und zu applizieren. 


Am dritten Tage durften Kuba, Ruben und ich mit freundlicher Genehmigung von Bruder Benno Maria den Reliquienschrein des Klosters besichtigen. Ein wahrer Schatz - absolut faszinierend und scheinbar kein Ende nehmend. Wirklich imposante Reliquien waren dabei, aber auch welche die von Heiligen stammten, von denen ich noch nie etwas gehört hatte - ein weiteres Zeichen, mich in die Kirchengeschichte weiter einzulesen. Nach reichlichem Staunen und der Schaffung einiger Berührungsreliquien schenkte mir Bruder Benno Maria auch grosszügigerweise eine Maximilian-Kolbe-Stoffreliquie, und uns dreien jeweils eine Stoffreliquie, die am Marienbild Einsiedelns berührt wurde.


Später in der Woche führte uns Bruder Klemens auch durch die Bibliothek, was wirklich eindrücklich war. Die alten Bücher und die von ihm ausführlich geschilderte Klostergeschichte faszinierten mich, und ich fühle mich sehr geehrt, die Bibliothek mit ihren vielen seltenen und wunderschönen Exemplaren christlicher Literatur besichtigt haben zu können. Mit den Touren war es jedoch noch nicht vorbei - wir besuchten noch das Skriptorium, ein schlichtes, geschichtstreu gestaltetes Zimmer, in dem Kurse in Kalligrafie angeboten werden. Mir wurde klar, dass mich Kalligrafie und Bilderhandschrift definitiv als potenzielle kreative Hobbys ansprachen. Zuletzt führte uns Bruder Klemens noch in das Naturalienkabinett des Klosters - worin sich wunderschöne Präparate zahlreicher Vögel, Raubkatzen und diversen Säugetieren befanden, jedoch auch zahlreiche Skelette, Mineralien und Fossilien ausgestellt wurden. Eine weitere Tour, die ich so erstmal nicht vergessen werde.


Wir Klosterzeitler halfen auch mit, im Studentenhof des Klosters ein Festzelt, Bänke, kleine Tribüne und Miniatureisenbahn aufzubauen - es war die erste Arbeit, die ich im Kloster verrichtet hatte, war aber durchaus machbar. Ich traf einige sehr freundliche Leute, die wirklich in der unmittelbaren Nähe von mir in meinem nahegelegenen Heimatort lebten - welch ein Zufall! Frühstücken durfte ich auch neben dem Generalabt der Zisterzienser; unglaublich, welche Erfahrungen man hier im Kloster macht, und welchen Menschen man begegnen darf.


Woche 2:

Nachdem Kuba und Ruben sich am Ende unserer gemeinsamen ersten Woche in Einsiedeln auf den langen Weg nach Monte Cassino gemacht hatten, war ich allein als Klosterzeitler hier. Mitbeten in der Bruderkapelle und die gemeinsame Adoration nach dem Abendessen fingen an, und damit mein Klosterabenteuer. 


Vorerst arbeitete ich erst morgens, also halbtags. Im Fratergarten beschäftigte ich mich damit, die Kiespfade etwas zu begradigen, Kies zu verteilen und auch zu mähen (dies jedoch in der vorigen Woche). Am Montag wohnte ich der Requiem von Pater Gregor bei, und sprach am selben Tag noch einige Mitglieder der Wallfahrt der Schweizer Tamilen an - sie hatten ein Marienbild (aus Tamil Nadu) und sogar einen Bischof dabei.


Am nächsten Tag brachte mir Bruder Klemens bei, wie ich die Antiphonale richtig präpariere, was sehr interessant war. Während es zunächst einschüchternd erscheint, ist es nach etwas Übung relativ leicht, für das meiste das System der verschiedenen Tage (Feria) und Wochen zu verstehen. Mein erstes Gebet in der Bruderkapelle fand auch am selben Tag statt, was schön war - und wo ich das erste Mal richtig realisierte, dass meine Klosterzeit jetzt begonnen hatte. Am abendlichen Lauf mit Stirnlampe Richtung Trachslau begegnete ich hautnah zwei Rehkitzen, die auf dem Trottoir lagen - ich frage mich, wer von uns mehr staunte. Ein schöner Moment, um den Tag ausklingen zu lassen. 


Am nächsten Tag bauten wir das, was wir im Studentenhof letzte Woche aufgebaut hatten, wieder ab - hauptsächlich das Zelt, da die Handwerker-Mannschaft sämtliche anderen Aufgaben schon rasant erledigt hatten. Nach einer kurzen Trinkpause am Ende der Arbeit durften alle, die wollten, die Glockentürme des Klosters, aber auch den immensen Estrich besichtigen. Bilder der gewaltigen Konstruktion hänge ich am Ende dieses Blogposts beschriftet in der Galerie an.


Am Ende der Woche hatte ich mit Pater Thomas auch mein erstes ‘Progress Report“-Gespräch, in dem mir noch weitere Details bezüglich Gesprächspersonen und mehr erläutert wurden. Jedoch sprachen wir auch darüber, wie es mir ginge, wie ich zurechtkomme (mit den Brüdern generell und auch im Sinne des Tagesablaufs), was mir am besten gefallen hatte und ob ich Beschwerden hatte. Um meine Antwort zusammenzufassen, war ich bestens gelaunt, hatte durchgehend Spass, ob beim Gebet, beim Essen, beim Lernen oder beim Arbeiten, und war umgeben von Mönchen, die scheinbar immer hilfreiche Tips hatten und auch netterweise anbieten, bevor man sich überwinden konnte, um Hilfe zu bitten. Also wirklich - die ersten Wochen waren sehr schön, und seelisch extrem entspannend (trotz der (Teilzeit-)Arbeit).


Galerie


Katze Heidi auf der Wache im Fratergarten


 
Das Gestühl des Oberen Chors

Das Papstzimmer - eingerichtet für Papst Johannes Paul II
(
Sancte Joannes Paulus II, ora pro nobis.)



Es gibt noch weitere Bilder zum Teilen, jedoch zerstören diese die Formattierung des Posts. Ich werde mich später noch darum kümmern.