Veröffentlicht am Gedenktag des Heiligen Gregor von Nyssa
♱ Sancte Gregori, ora pro nobis♱
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| Papst Benedikt XVI als damaliger Priester bei einer Messe in Ruhpolding |
Ausflug nach St. Gallen
Ein weiteres Highlight meiner Zeit in Einsiedeln war mein Ausflug nach St. Gallen; ein besonderes Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Mit Pater Mauritius sowie den Novizen Simon und Karsten machte ich mich früh am Morgen auf den Weg, Treffpunkt: Bahnhof Einsiedeln. Ich freute mich auf einen Tag, der sowohl spirituell fördernd als auch historisch spannend sein sollte. Schon die Gemeinschaft auf dieser Reise machte den Ausflug zu etwas Besonderem, denn es blieb viel Raum für ausgiebige Gespräche und Geschichten - in einem so ruhigen Ort wie Einsiedeln nicht immer garantiert.
Vom Bahnhof aus reisten wir mit dem öffentlichen Verkehr nach St. Gallen. Während der Zugfahrt genossen wir die vorbeiziehende Landschaft und nutzten die Zeit, um uns auf den Tag einzustimmen. Pater Mauritius erzählte bereits unterwegs erste Geschichten über St. Gallen und seine Bedeutung. Wir unterhielten uns auch etwas über politische Geschehnisse und ich stellte einige Fragen bezüglich Kirchengeschichte und Liturgik. In St. Gallen angekommen begaben wir uns direkt zum ehemaligen Kloster, das mit seiner Architektur (mit Ausnahme des scheusslichen Eingangs zum Pfalzkeller) und gepflegten Rasenflächen beeindruckte.
Im Kloster feierten wir gemeinsam zu viert die Messe in der Kapelle. Diese Messe war für mich ein besonders schöner Moment des Tages und auch die ‘privatste’ Messe, der ich je beigewohnt hatte. Die ruhige Atmosphäre und das Wissen, an einem Ort mit so viel Geschichte zu sein (eine Tafel verzeichnete einen geschichtlichen Verlauf der Brüder, welche dort wohnten), verliehen der Feier eine tiefe Bedeutung. Es war ein Moment der Sammlung und des Innehaltens, bevor der Tag weiterging.
Nach der Messe wurden wir durch das Regierungsgebäude des Kantons St. Gallen geführt. Diese Führung war sehr spannend, da wir einen Einblick in die politischen und historischen Strukturen des Kantons erhielten. Das modern ausgelegte Zimmer des Kantonsrats, in welchem die Räte in einem Kreis Platz nehmen, war sehr interessant, da ich Politikwissenschaft studierte und mich besonders für regionale Politik und Politikgestaltung interessiere. Das Tafelzimmer war auch sehr imposant, und es wurde uns erklärt, dass dieses Zimmer die grösste Stuckdecke der Schweiz aufweist. Im Sitzungssaal, der auch unglaublich spannend war, wurde uns der ‘Blocherknopf’ erklärt; eine Sicherungsvorrichtung bei den Abstimmungsknöpfen aller Stimmbeteiligten, die eine zweifache Sicherung erfordert. Besonders interessant war es zu sehen, wie Geschichte und moderne Verwaltung an diesem Ort miteinander verbunden sind.
Nach diesen ersten wunderschönen Eindrücken wurden wir zu einem schönen Essen in den Gaststuben zum Schlössli eingeladen. Ich genoss dort ein entzückendes Cordon Bleu. In angenehmer Atmosphäre konnten wir uns stärken und die bisherigen Erlebnisse verdauen (no pun intended). Das Essen war nicht nur lecker, sondern auch eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Es wurde viel gelacht und Geschichten erzählt, wie zum Beispiel von Pater Mauritius’ Zeit als Schweizer Gardist.
Nach dem Essen verabschiedeten wir uns und gingen hinauf zum Frauenkloster Notkersegg. Der Weg nach oben war zwar sehr windig aber die Ruhe und die besondere Stimmung dort oben machten es trotzdem eine tolle Zeit. Der Blick auf den Bodensee war auf dem Hinweg durch das Wetter verdeckt, aber der Rückweg liess uns bis Romanshorn blicken. Das Frauenkloster strahlte eine stille Kraft aus, die uns alle beeindruckte. Zuerst waren wir in der Kapelle, und wurden von einer Schwester freundlich empfangen und hineingeführt. Nachdem uns über die interessanten franziskanischen Ursprünge des Frauenklosters erzählt wurde, durften wir in das Refektorium, und Simon spielte im Chor (welcher durch geheime Türe hinter dem Altar der Kapelle erreichbar war) ein kurzes Stück auf der Holzorgel. Nachdem uns auch noch das spezielle Modell dieses Klosters, nämlich als de facto Pflegeheim, erklärt wurde, machten wir uns wieder auf den Weg hinunter ins Tal, zurück zum Kloster, um eines der Highlights des Tages zu besichtigen: die berühmte Stiftsbibliothek.
Auf dem Weg zurück erzählte Pater Mauritius viel Interessantes aus seiner Zeit in St. Gallen, als er dort als Lehrer tätig war. Ich nutzte die Gelegenheit auch, um Pater Mauritius über die Schweizergarde zu befragen, was zu einem spannenden Gespräch führte. Wir besichtigten auch den Klosterplan St. Gallens, welcher nur für 20 Sekunden nach einem Kurzfilm gezeigt wird, um ihn vor den Elementen zu schützen. Es ist der älteste vorhandene Klosterplan, den es noch gibt. Leider konnten wir wegen der limitierten Zeit nicht den Rest der Ausstellung besichtigen. Als Brauch galt auch, die Novizen eine alte Kopie der Benediktsregel sehen zu lassen, welche im Klosterarchiv liegt. Ein Archivar zeigte sie uns, blätterte etwas herum, und erklärte uns interessantes Hintergrundwissen dazu.
Die Stiftsbibliothek war schlichtweg beeindruckend. Schon beim Betreten spürte man dessen besondere geschichtliche Bedeutung wie eine wabernde Aura. Bevor wir hineingehen durften, zogen wir die Schuhüberzüge an, womit man richtig schön herumrutschen konnte. Sie zeugten aber auch deutlich, wie wertvoll und schützenswert dieser Ort ist. Die kunstvollen Decken, ein riesiger Globus und die alten Bücher machten den Besuch zu einem echten Highlight. Man hatte das Gefühl, durch die Geschichte zu gehen und Teil von etwas Großem zu sein.
Am Ende des Tages kehrten wir erfüllt und dankbar zurück. Der Ausflug nach St. Gallen war nicht nur eine Reise zu einem wichtigen Ort des Schweizer Katholizismus, sondern auch eine Reise der Gemeinschaft, des Glaubens und des Lernens. Ich bin sehr froh, dass ich von Pater Mauritius eingeladen wurde, und die tolle Zeit mit ihm, Karsten und Simon verbringen zu dürfen.
Die gepflegten Grünflächen auf dem Grund
des ehemaligen Klosters St. Gallen
Der Altar in der Kapelle, wo wir Messe feierten
Der Klosterplan (aufgenommen in der kurzen
Phase der Exposition)
St. Galler Kantons- und Regierungsrat
Die Benediktsregel, aus dem 9. Jahrhundert erhalten
Riesiger Globus in der Stiftsbibliothek im
Kloster St. Gallen
Stiftsbibliothek des Klosters mit dessen
eindrücklichen Deckenmalereien
Die Rutsch-Schlappen, die man als
Bodenschutz über Schuhe anzieht

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